Andere Kulturen – Andere Sitten

Verfasst von Schülerpraktikantin Mathilde Pöppelmann

Interkulturelle Kontakte knüpfen – Im Kontakt mit Flüchtlingen ein erforderlicher Schritt, um mit den Geflüchteten arbeiten zu können.

Wir hatten zu einem Vortrags- und Diskussionsabend eingeladen – viele Menschen, die in der Flüchtlingshilfe aktiv sind, waren der Einladung gefolgt. Referent Cemil Sahinöz  berichtete über die feinen kulturellen Differenzen und schöpfte aus einem reichen Fundus eigener Erfahrungen, die er bei der Familienberatung von Flüchtlingen gemacht hat. Unter der Moderation von Sonja von Zons, Mitglied im Grünen Kreisvorstand und selbst Flüchtlingsbetreuerin, brachten die zahlreichen Gäste, das Büro war bis auf den letzten Platz gefüllt, vielerlei Fragen und Anregungen ein, wodurch ein lebhafter Austausch unter den Anwesenden entstand.

Sahinöz betonte nachdrücklich, dass schon kleine Unterschiede in der Kultur sich zu schwerwiegenden Missverständnissen auswachsen können und somit eine Abgrenzung zwischen Geflüchteten und den Einwohnern entstehen könnte. Deswegen sieht Sahinöz als größte Barriere nicht die Sprachbarriere, sondern die Kulturbarriere. Ein Grundverständnis der deutschen Sprache sei zu erlernen, doch sobald sich durch Verschiedenheiten in der Kultur Missverständnisse ergeben, käme es schnell zu Unsicherheit und Abgrenzung auf beiden Seiten. Deshalb sollten sich beide Seiten mit Offenheit und Respekt begegnen und ein Verständnis für die jeweils andere Kultur entwickeln. Als Ziel sollte nicht Anpassung gelten, sondern Respekt und Verständnis der anderen Kultur, der anderen Traditionen.

Wichtig sei auch, dass man die Kultur nicht mit der Religion gleichsetze, was jedoch für einen Außenstehenden oftmals sehr schwierig sei.

Ein großer Unterschied zeige sich bei den kommunikativen Gepflogenheiten. Für die Flüchtlinge gehört zum Gespräch eine längere Eingangsphase dazu, während viele Deutsche vor allem bei speziellen Anliegen schnell auf den Punkt kommen wollen und wenig an vermeintlichem Small Talk interessiert seien. So eine Vorgehensweise wirke auf Geflüchtete jedoch oft unhöflich und uninteressiert. Sahinöz beschrieb deswegen die Kommunikationsebene der Deutschen als eine sachliche Ebene, während sich die Flüchtlinge vielfach eher auf der persönlichen Ebene bewegen. Unterschiede bei der Kindererziehung oder im sozialen Miteinander – mögliche Reibungspunkte ließen sich einige aufzählen. Ungewohnt ist auch für viele Geflüchtete, dass sie auf den Rückhalt der gewohnten Großfamilie verzichten müssen.

Die Stimmung während des Vortrags war gut und das Publikum ging nach zwei interessanten Stunden mit neuem Wissen nach Hause.

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