Das Furlbachtal – erfolgreiche Renaturierung eines Bachlaufs Remmel: Naturschutz sorgt für sauberes Trinkwasser

6. Station Naturerbetour

Bis 1994 wurde ein zentraler Bereich des Furlbachtals noch eingenommen von den Betonbecken einer Fischzuchtanlage. Nach Aufgabe der Anlage wurden die Betonbecken entfernt, der Furlbach konnte sich wieder seinen eigenen Weg bahnen. Das Ergebnis heute ist ein malerischer Bachlauf in einem wild-romantischen Schluchttal, in den angrenzenden Wäldern liegen naturnahe Moore. „Nur noch rund zehn Prozent unserer Fließgewässer in Nordhein-Westfalen können wir als natürlich bezeichnen, der Furlbach ist einer davon“ erklärte Umweltminister Johannes Remmel heute bei seinem Besuch im Furlbachtal. „Zu verdanken haben wir das in diesem Fall einer aufwändigen Renaturierung, die vom Kreis Gütersloh mit Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen und mit Unterstützung der Stadtwerke Bielefeld durchgeführt wurde.“

In der Vergangenheit wurden die meisten Gewässer in NRW begradigt, einbetoniert, aufgestaut oder als Abwasserkanal genutzt. Darunter haben Flora und Fauna stark gelitten. Dies ist unter anderem Grund dafür, dass heute 45 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten auf der Roten-Liste NRW als gefährdet oder schon ausgestorben geführt werden. „Wir sind dabei die Festplatte unserer Natur zu löschen“, so der Minister.

Profitiert von der Renaturierung und den folgenden Naturschutzmaßnahmen hat auch das Grundwasser im Furlbachtal, das zur Trinkwassergewinnung genutzt wird. „Naturschutz ist auch aktiver Gesundheitsschutz“, so Remmel. „Sauberes Grundwasser führt zu sauberem Trinkwasser und ist damit Grundlage für unser wichtigstes Lebensmittel. Hier am Furlbachtal können wir beobachten, wie Naturschutz, Grundwasserschutz und Trinkwassergewinnung voneinander profitieren.“

Der Furlbach ist Teil der Sennebäche. Die Sennebäche sind ein Gewässersystem von zahlreichen, mehr oder weniger parallel von Nordost nach Südwest verlaufenden Sandbächen (z.B. Wapel-Wehrbachsystem, Rodenbach und Furlbach) zwischen den Bielefeld und Paderborn. Von den Einheimischen wird der Furlbach auch „witte Biäke“ genannt, da das Bachbett an vielen Stellen aus weißem Sand besteht. Der renaturierte Bereich des Furlbachtals hat sich seit Durchführung der Maßnahme zu einer natürlichen Bachlandschaft entwickelt, die viele Rote-Liste-Arten beheimatet wie das Bachneunauge, die Groppe oder die Bachforelle. In den umliegenden Schluchten und Wäldern haben sich der Wespenbussard und der Schwarzspecht angesiedelt. Vor allem der Schwarzspecht hat eine besondere ökologische Funktion, da er in seinen Revieren viel mehr Höhlen anlegt, als er für den Eigenbedarf benötigt. Die leer stehenden Höhlen werden von zahlreichen anderen Tierarten als Unterschlupf oder Kinderstube genutzt. Als Nachnutzer von Schwarzspechthöhlen treten z.B. Vogelarten wie Hohltaube, Dohle oder Waldkauz, als Säugetiere gerne Fledermäuse aber auch Insekten wie die Hornisse auf.

„Das Furlbachtal ist Teil einer der wertvollsten und ursprünglichsten Naturräume Nordrhein-Westfalens: der Senne. Die Gebiete hier in der Senne sind in ihrer Artenvielfalt einzigartig und müssen als Naturerbe dauerhaft gesichert werden“, so das Fazit des Ministers.

Der Besuch des Furlbachtals war die sechste Station der Naturerbetour. Noch bis in den Herbst wird Minister Remmel neben bekannten Naturerbe-Zielen, wie etwa dem Nationalpark Eifel, auch das weniger bekannte Naturerbe in den Fokus der Öffentlichkeit ziehen, dazu gehören die Naturwaldzelle „Schiefe Wand“ im Sauerland, die Lippeauen in Hamm und das Thema „Natur in der Stadt“ im Ruhrgebiet. Die nächste Station führt ihn noch heute (31. August 2012) nach Bielefeld in das „Lebende Obstsortenmuseum“.

Hintergrundinformationen NRW-Naturerbe:

NRW besitzt rund 3000 Naturschutzgebiete, etwa 550 Gebiete des europäischen Schutzgebietssystems „Natura 2000“ (8,4% der Landesfläche), einen Nationalpark in der Eifel und 14 Naturparke. Bemerkenswert groß ist die Artenvielfalt in Nordrhein-Westfalen mit über 40.000 verschiedenen Pflanzen- und Tierarten. Gleichwohl steht fast die Hälfte von ihnen auf der Roten Liste. Etwa 45 % der heimischen Tier-, Pilz- und Pflanzenarten sind in ihren Beständen gefährdet oder bereits ausgestorben. Von den insgesamt etwa 12.000 betrachteten Arten sind 42 % der Farn- und Blütenpflanzen, 42 % der Säugetierarten, über 50 % der Vogelarten und 55 % der Schmetterlingsarten gefährdet oder ausgestorben.


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Weitere Informationen über wertvolle Natur- und Vogelschutzgebiete, Naturparke, das Biotop-Kataster sowie den Zustand von Gewässern gibt es in der neuen Datenbank des Umweltministeriums „Umweltinformationen vor Ort“: Externer Link - öffnet in neuem Fenster www.uvo.nrw.de

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