Welchen Preis hat gesunde Ernährung?

Wir konnten ein hochkompetentes Podium für unsere Diskussionsveranstaltung im Haus Ascheloh gewinnen: Neben den agrarpolitischen Sprechern der Grünen Bundes- und Landtagsfraktion, Friedrich Ostendorff und Norwich Rüße, diskutierten unter der Moderation unseres Kreissprechers Thorsten Schmolke auch Dr. Marle Kopf, Leiterin der Bielefelder Verbraucherzentrale, und Arnold Weßling als Vertreter des Kreislandwirteverbands auf hohem Niveau miteinander und einem gut informierten Publikum.

In Anbetracht einer langen Reihe von Lebensmittelskandalen mit dem Dioxinfund im Tierfutter als jüngstem Höhepunkt drängen sich viele Fragen auf: Brauchen die Landwirtschaft und die Futtermittelindustrie mehr und strengere Kontrollen, oder bedarf es darüber hinaus einer grundlegenden strukturellen Änderung? Was hat die Politik in dieser Situation zu tun, wie können die Verbraucher Einfluss nehmen?

Dr. Marle Kopf als Anwältin der Verbraucher bescheinigte der Landesregierung eine gute Arbeit bei der Umsetzung des zu Jahresbeginn angekündigten 10-Punkte-Plans als Reaktion auf den Dioxinskandal und darüber hinaus bei der Novellierung des Verbraucherinformationsgesetzes. Der Steinfurter Norwich Rüße riet den Verbrauchern zu einer Gesamtbetrachtung von Lebensmittelpreisen. Nicht nur der Endkundenpreis sei relevant, eine nachhaltige und umfassende Betrachtung schließt auch die Klimaauswirkungen etwa der Fleischerzeugung, die Futtermittelerzeugung im Ausland mit teils katastrophalen Arbeits- und Umweltbedingungen und die Haltungsbedingungen der Masttiere ein.

Arnold Weßling als Vertreter der konventionell wirtschaftenden Landwirte im Kreis verwies ebenfalls auf die ethische Verantwortung der Landwirtschaft. Einig war er sich mit allen anwesenden Diskussionsteilnehmern, dass Dioxin nicht nur nicht ins Tierfutter gehört, sondern möglichst nirgends anfällt. Er verwies auf die hohe Bedeutung der Veredlung für die Landwirtschaft in unserem Kreis und betrachtete die vorherrschende Tendenz zum Größenwachstum der bäuerlichen Betriebe mit Skepsis. Der dramatische Veränderungs- und Anpassungsprozess der Landwirtschaft sei auch eine Folge der Globalisierung und der daraus entstandenen weltweiten Konkurrenz der Lebensmittelerzeuger.

Dass Bio nicht zwangsweise teurer als herkömmlich erzeugte Produkte sein muss, konnte Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion und selbst Bio-Bauer in Bergkamen, belegen. Ernährungskompetenz der Verbraucher sei ein entscheidender Faktor, der seinen Platz in den Unterrichtsplänen haben müsse. Er zweifelte an der Umsetzung des von der Bundesregierung angekündigten Sofortprogramms, da das Futtermittelrecht eine europäische Angelegenheit sei und sich das Europaparlament in dieser Frage um keinen Millimeter bewege.

Wichtige Aspekte der Fragestellung konnten nur angerissen werden. Alle Podiumsteilnehmer beobachten ein stark wachsendes Interesse der Verbraucher für das Thema Lebensmittelqualität und –erzeugung. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher werden sich ihrer Macht bewusst und nehmen mit ihrem Kaufverhalten gezielt Einfluss. Die Tendenz zur Verindustrialisierung der Landwirtschaft, der Flächenverbrauch durch die Landwirtschaft selbst und zu Lasten der Agrarflächen stelle ein großes Problem dar, ebenso das Wachstum der Hofgrößen und die steigende Produktion. Chancen sieht man in einem hochwertigen regionalen Qualitätssiegel.

Eine Pressemitteilung zu unserer Veranstaltung finden Sie hier.

Was das Westfalenblatt über unsere Veranstaltung schrieb, finden Sie hier.

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