Stadtwerke Gütersloh vor Schlimmerem bewahrt

Im Jahr 2006 planten die Stadtwerke Gütersloh eine Beteiligung am unter RWE-Federführung derzeit gebauten Steinkohlekraftwerk in Hamm. Die stolze Summe von 25 Mio. Euro wollten die SWG investieren, angelockt von einer von RWE in Aussicht gestellten Rendite von 6,5% jährlich.
Die Grünen im Rat der Stadt Gütersloh stellten sich damals gegen diese Investitionspläne und rieten zur Besonnenheit. Neben Bedenken wegen des seinerzeit übereilten Verfahrens waren und sind es vor allem Umweltschutzbedenken, die uns Grüne gegen das Vorhaben einnahmen. Der geringe Wirkungsgrad bei der Kohleverstromung, der hohe Kohlendioxidausstoß und der weite Transportweg der aus Australien herbeizuschaffenden Kohle waren und sind ökologische Hauptargumente gegen den Bau von Kohlekraftwerken.
Zum Glück, wie wir heute sehen, fiel damals in Gütersloh keine Entscheidung für die Investition. Andere kommunale Versorger beschlossen den Einstieg in die Kraftwerksbeteiligung. 23 Stadtwerke von Trier bis Osnabrück übernahmen insgesamt 23% der Investitionssumme. Für diese Stadtwerke erweist sich derzeit die Beteiligung als ein finanzielles Debakel: Die Fertigstellung des Kraftwerks verzögert sich um voraussichtlich mindestens ein Jahr, bedingt u.a. durch die mangelhafte Qualität von z.T. aus China zugelieferten Baugruppen, die Kosten der Fertigstellung stiegen dadurch bereits um 200 Mio. auf 2,2 Mrd. Euro. Darüber hinaus erscheint es fraglich, ob das Steinkohlekraftwerk vor dem Hintergrund der Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke und einem zügigen Ausbau der Erneuerbaren Energien noch wirtschaftlich betrieben werden kann.

Für die Bürgerinnen und Bürger in Gütersloh war also die Entscheidung gegen die Investition ins Hammer Kraftwerk genau die richtige. Der ruinöse Kraftwerksbau in Hamm steht exemplarisch für die Tatsache, dass der Neubau von Kohlekraftwerken in Deutschland nicht mehr wirtschaftlich ist. Konventionelle Kohlekraftwerke müssen in Zeiten hoher Einspeisung von Wind- und Sonnenenergie immer häufiger vom Netz genommen werden. Billiger Strom aus abgeschriebenen Atomkraftwerken sorgt für zusätzlichen Kostendruck und verstopfte Netze.Damals wie heute raten wir  Stadtwerken zur Besinnung auf ihre eigentliche Stärke. Diese liegt vor allem in der Nähe zum Kunden. Investitionen vor Ort in den Ausbau der Erneuerbaren Energien, Kraft-Wärme-Kopplung und Energieeffizienz sind für Stadtwerke ein attraktives Betätigungsfeld.

Eine Pressemitteilung unserer Kreissprecherin und Landtagsabgeordneten Wibke Brems zu diesem Thema finden Sie hier.

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